Glorious Revolution 1688/89

English version follows in a few (anything between 1-30) days

Heute, wie bereits angekündigt, mal wieder etwas mehr Informationen zu meiner Dissertation: eine der spannendesten Absetzungen von Herrschern war mMn die Absetzung von James II (dt.: Jakob II.) von England in der sogenannten Glorreichen Revolution von 1688/89. Nachdem ich hier keine 20 Seiten schreiben wollte (wie in der Diss), habe ich mich an einem Kurzüberblick versucht, der nun doch recht lang geworden ist. Diese zwei Jahre englischer Geschichte zusammenzufassen, stellte sich als schwieriger als erwartet heraus. Lange Rede, kurzer Sinn: hier nun meine Version der Glorious Revolution (andere Sichtweisen werden demnächst ebenfalls vorgestellt) in 766 Wörtern.

Was passierte bei der Glorious Revolution?

Mit dem Begriff „Glorious Revolution“ bezeichnet man die Vorgänge in England, Schottland, Irland und selbst in den amerikanischen Kolonien 1688/89: beginnend mit einer Petition sieben Bischöfe, die sich gegen eine Deklaration des englischen Königs James II richtete, dann ein Letter of Invitation sieben englischer Adlige an William of Orange, den Statthalter der Niederlande, in England nach dem Rechten zu sehen und schließlich die militärische Invasion der Niederländer unter William of Orange, die Flucht James II aus England und die Übertragung der Krone auf William und seine Frau Mary.

Was genau war da nun los?

Das Grundproblem war, dass James II als englischer König und damit auch Oberster der Anglikanischen (protestantischen) Kirche ein Katholik war. England wiederum war größtenteils protestantisch, und hielt den Katholizismus für Teufelswerk. Letzteres ist nicht zu unterschätzen: die Einstellung gegenüber Katholiken war hysterisch und geprägt von Ängsten vor einer Re-Katholisierung Englands, vor der Gefahr, dass die weniger als 5% englischer Katholiken nachts Protestanten im Schlaf ermorden würden und vor Ludwig XIV. von Frankreich als Erzfeind.

Gegen diesen Anti-Katholizismus hatten selbst die anglikanischen Lehren von Königstreue und Gehorsam keine Chance. Als James II versuchte, das Leben in England für Katholiken einfacher zu machen und ihnen die gleichen Rechte zu geben, die auch Gläubige der Anglikanischen Kirche hatten, stiess er auf massiven Widerstand.

Zum Konflikt kam es aber erst, als seine (katholische) Königin Mary of Modena schwanger wurde und nun die Gefahr einer katholischen Thronfolge drohte. Nicht nur Engländer sahen besorgt auf den wachsenden Bauch von Mary und wollten ihre Schwangerschaft bzw. später den Sohn von James und Mary nicht wahrhaben. Bevor der kleine James Francis Edward dazwischenfunkte, war schließlich die älteste, anglikanische Tochter von James Thronerbin gewesen. Und Mary, besagte älteste Tochter, war nicht nur selbst gut anglikanisch, sondern sogar mit dem protestantischen „Helden“ William of Orange verheiratet, der sich schon 1672 als Retter der Niederlande gegen Ludwig XIV. behaupten konnte. Neben protestantisch war William auch ein wahrer Meister der Propaganda und der Beeinflussung der öffentlichen Meinung, besonders auch in England, und seine Stilisierung als Retter des Protestantismus fand Anklang bei einem anti-katholischen Volk unter einem katholischen König.

Da also die Gefahr der katholischen Nachfolge wuchs und James II mit seiner pro-katholischen Politik weitermachte, bereitete sich William of Orange auf eine Invasion Englands vor – zu sehr befürchtete er, dass ein katholisches England sich mit Frankreich verbünden könnte, was nicht Gutes für seine Niederlande erwarten ließ.

In England wiederum wehrten sich sieben Bischöfe auf dem traditionellen Weg der Petition gegen einen Befehl des Königs, eine religiöse Toleranzerklärung von ihren Kanzeln verlesen zu müssen. Dieser Protest, der durch Druckschriften weit verbreitet wurde, veranlasste James II dazu, die Bischöfe anzuklagen, im Tower einzusperren und ihnen den Prozess zu machen. Nicht nur, dass die Bischöfe in diesem Prozess freigesprochen wurde, durch sein hartes Vorgehen verspielte sich James so einige Sympathien und machte die Bischöfe zu Helden, die frenetisch gefeiert wurden.

Gleichzeitig mit der Freilassung der sieben Bischöfe am 30. Juni 1688 sandten sieben (sieben scheint irgendwie die optimale Anzahl für kleine Protestgruppen zu sein) Politiker einen Einladungsbrief an William III. und gaben ihm damit die Legitimation, nach England zu kommen.

Zunächst erstmal bereitete William III. jedoch einen wahren Propaganda-Krieg vor, der seinen bevorstehenden Angriff auf England rechtfertigen sollte. Besonders seine Deklaration vom 10. Oktober ist als ein wahres Meisterwerk politischer Propaganda einzuschätzen.

Am 05. November 1688 landete William III. schließlich mit seiner Armee im Südwesten Englands, in Torbay. James II, der eine Landung so spät im Jahr bis zuletzt für unwahrscheinlich gehalten hatte, versammelte seine Armee bei Salisbury. Nach einigen Desertionen an entscheidenden militärischen und politischen Stellen, verlor James II die Nerven und zog sich nach London zurück. Dieser Rückzug wurde weit und breit als Niederlage gedeutet und führte zu weiteren Desertionen. Kurze Zeit später, im Dezember 1688 floh James II aus England nach Frankreich. William konnte nun in London Stellung beziehen, während die in London anwesenden Lords über die Weiterführung der Regierung berieten.

Ein Konventionsparlament, welches von William für den 22. Januar 1689 einberufen wurde, beschloss schließlich, die Flucht James II als Abdankung zu deuten und William und Mary die Krone anzubieten (dieses Angebot kam nach ein bisschen Druck von William und seinen Unterstützern zustande). In der Declaration of Rights, die der späteren Bill of Rights zugrunde liegt, wurde diese Lösung präsentiert und veröffentlicht: James II hatte seinen Thron abgedankt, William und Mary wurden aufgrund der Thronvakanz und ihrer Vorfahren zu seinen Nachfolgern bestimmt (und der neugeborene Sohn von James II wurde, wie üblich, ignoriert).

Die Versuche von James II seine Krone durch einen Angriff über Irland zurückzuholen, scheiterten schlußendlich.

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