Studentische Initiativen

Diesmal in lokalpatriotischer Sache (und mit einem etwas weiteren Blick):
In Mainz ist letzte Woche die erste Ausgabe des studentischen Onlinemagazins Skriptum online gegangen. Besonders freut mich daran (außer dass die Mainzer Historiker im Netz Verstärkung bekommen 🙂 ), dass die Initiative von Studenten ausgegangen ist, die dieses Projekt neben ihrem Studium mit viel Energie und Zeit auf die Beine gestellt haben. Weiterlesen

Historisches Denken

Was macht eigentlich historisches Denken aus? Wikipedia setzt dieses gleich mit Geschichtsbewusstsein, welches die äußere Welt anhand von Kategorien ordnet. Prinzipiell kann ich diesem recht gelungenem Wikipedia-Artikel nur zustimmen: historisches Denken vor allem als ein kontextualisieren und sinngeben zu betrachten.

Ein Punkt, der dort nicht explizit angesprochen wird: wie verändert die Beschäftigung mit Geschichte eigentlich das Denken des Historikers? Schließlich kommen wir nicht mit einem ausgeprägten Geschichtsbewusstsein auf die Welt, sondern entwickeln dieses erst in der jahrelangen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.
Besonders deutlich wird dies in Diskussionen mit frühen Semestern oder Wissenschaftlern anderer Disziplinen, die es (noch) nicht gewohnt sind, vergangene Zeiten zu betrachten und diese meist an den heutigen Umständen messen bzw. besonders betonen, dass es früher anders war. Je nach Gesprächspartner kann die Vergangenheit dann als etwas Mystisches, Ungreifbares verstanden werden.

Gerade solcher Austausch ist auch für den Historiker wichtig und eine Chance, sein eigenes Denken an dem Verständnis anderer zu messen – und dabei die eigene historische Denkweise kritisch zu hinterfragen.

Ein ganz konkretes Beispiel: mein Zeitempfinden hat sich seit Beginn meines Studium stark verändert – aktuelle Aufregungen und Debatten erscheinen mir oft übertrieben aufgeregt, allein durch den Gedanken, wie das wohl alles in einem, fünf, zehn oder hundert Jahren aussehen wird.  Ebenso bin ich ziemlich resistent geworden gegen das ‚Argument‘: „Das muß so sein, das war schon immer so!“ -> Nein, es war (egal was es ist) nicht immer so. Selbst etablierte Traditionen gehen meist „nur“ bis ins 19. Jahrhundert zurück, wie bereits Hobsbawm mit seinen erfundenen Traditionen feststellte.

mehr web 2.0 in der Lehre

Auch ich schließe mich nun der Reihe derjenigen an, die Geschichtswissenschaft und web 2.0 in der Lehre anbieten. Diesen Samstag ist die erste Lehrveranstaltung, ich werde jedoch zunächst keine Ergebnisse direkt präsentieren können, sondern den Lehrveranstaltungsblog zunächst privat halten.

Erstmal abwarten, welcher Art die Beiträge und Diskussionen der Teilnehmer hier in Mainz sind. Einen kleinen Eindruck kann man eher durch das Gezwitscher bei Twitter erlangen, welches nun auch hier im Blog verlinkt ist (alles in der Hoffnung, dass sich die Studierenden auf die Nutzung der web 2.0 Angebote einlassen).

Bloggen als akademische Praxis

Soeben bereite ich einen Vortrag zu „Bloggen als akademische Praxis“ vor und habe ausnahmsweise mal ein Luxusproblem bei der Vorbereitung: ich weiß zuviel!

Seit inzwischen rund vier Jahren bin ich in der Blogosphäre unterwegs und habe inzwischen einen ganz guten Eindruck, was da im Bereich Geschichtswissenschaft so los ist. Für den Vortrag muss ich einen großen Schritt zurück machen und erstmal erklären, was Bloggen eigentlich ist. Allein mit meinen ersten Überlegungen habe ich aber schon die Hälfte der Zeit gefüllt, und dann bin ich noch gar nicht beim eigentlichen Thema.
Vermutlich muss ich das alles viel offener gestalten und mich danach richten, welches Vorwissen meine Zuhörer haben und dann hoffen, noch zur akademischen Praxis zu kommen und die Frage zu diskutieren, welche Relevanz Bloggen überhaupt als Praxis haben kann, wenn ein Großteil der Wissenschaftler diese Praxis vermutlich nicht oder nur ungenügend kennt?

Ich bin gespannt und werde hier berichten, was bei der Diskussion herauskommt…

Diskussionskultur

Aktuell fällt es mir besonders auf: oft gehen Naturwissenschaftler gegen Geisteswissenschaftler aggressiv vor bzw. zeigen ihr Unverständnis für die Geisteswissenschaften. Gerne wird auch mal der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit abgesprochen und in der Argumentation zeigt sich dann die tiefe Unkenntnis über das, was Geisteswissenschaften eigentlich sind und wie sie sich wissenschaftlich auszeichnen.
Gibt es grade Kürzungen der naturwissenschaftlichen Forschungsgelder oder ist es grade nur meine Wahrnehmung?

Aufatmen!

Soeben habe ich erfolgreich meine erste Lehrveranstaltung auf der „anderen Seite“ absolviert. Ein ganzes Semester habe ich mit größtenteils „Erstis“ Quellen zur Glorious Revolution übersetzt und soeben konnte ich die letzten Verwaltungssachen, die ja irgendwie auch immer dazu gehören, beenden und mich etwas zurücklehnen.
Geblieben ist für mich dabei auf alle Fälle, dass Lehre sehr viel Spass machen kann und auch für die Forschung wichtig ist. Ich weiß jetzt inzwischen besser, was ich von Jakob II. halte.

Bloggen als Gegenstand der Forschung

Eine Woche ist nun seit dem Workshop in Basel „Geschichtswissenschaften und Web 2.0“ vergangen, der mich sowohl in der Vorbereitung als auch danach anregt, weiterzudenken und weiterzuforschen. Speziell zum Bloggen wurde in der Nachmittagssektion gefragt, warum man mit dem Bloggen angefangen hat und noch nicht wieder aufgehört.
Weitere Fragen, die sich mir stellen, betreffen die spezifische Gattung der „Wissenschaftsblogs“: was kennzeichnet einen Blog als einen solchen? Welche Regeln gelten dort, die bei anderen Blogs so nicht gelten? Welche Rolle spielen diese Blogs in der „traditionellen“ Wissenschaft?  – Ich bin mir sicher, dass weitere Fragen noch entstehen werden und die Reflexion über das Bloggen und Sinn und Unsinn von web 2.0 bei mir grade erst begonnen hat. Daher habe ich hier eine neue Seite eingerichtet, die nach und nach (meine langsame Posting-Frequenz soll als Vorwarnung dienen) sowohl mit Reflexionen über die Nutzung des Web 2.0 als auch mit Hinweisen auf entsprechende Angebote und interessante Texte befüllt werden soll. Weiterlesen

Nachtrag Rezensionen

Wie bereits hier darauf hingewiesen, wurde bei Zeittaucher bei Scienceblogs die schöne Idee umgesetzt, eine Sammlung von Geschichts-Blogs zu erstellen und diese von Studenten bewerten zu lassen.  Leider sind bei der Umsetzung einige Probleme offenbar geworden, die  sowohl für die Studenten als auch für die rezensierten Blogger eher unangenehme Folgen haben (vgl. besonders die Diskussion in den Kommentaren zu den Artikeln hier und hier). Ich hoffe jedoch, dass aus diesen Erfahrungen gelernt werden kann und die an sich gute Idee darunter nicht leidet.

Die Wichtigkeit der Kaffeepause

Wie entstehen eigentlich wissenschaftliche Fragestellungen? – In meinem Fall oft in der wöchentlichen Kaffeepause mit der „Etage“. Da die Uni Mainz aus allen Nähten platzt, finden ab und zu Raumverteilungsaktionen statt, die zu ungewöhnlichen Kombinationen führen können. In meinem Fall sitze ich nicht bei den anderen Historikern, sondern auf einer Etage der Drittmittelprojekte: hier findet sich ein Projekt zur Kirchengeschichte, Arbeitsgruppen zu Alphabetisierung oder Nordischer Sprachwissenschaft, Doktorandengruppen der Geschichte, Medienpädagogik, Soziologie oder Sozialpädagogik und einzelne Mitarbeiter aus der Kunstgeschichte, Geschichte, Politik, Amerikanistik, Romanistik und Germanistik.  Weiterlesen

Rezensionen und Posting-Frequenz

Eine sehr schöne Idee: auf dem Blog Zeittaucher werden Blogs der historischen Zunft von Studenten gesammelt und rezensiert.  Auch mein Blog wurde in diese Liste aufgenommen, und zielsicher eine meiner Schwachstellen aufgedeckt: die Posting-Frequenz.

Gerne würde ich mehr bloggen, doch neben Arbeit und Dissertation bleibt einfach viel zu wenig Zeit. Ich kann nur hoffen, dass der Leser sich auch über meinen einen Artikel im Monat freut und es mir ansonsten nachsieht.

Zwischenton

Es gibt nicht viel, was mich auf die Palme bringt; die Online-Reservierung von Bahntickets schafft es aber mit hundertprozentiger Treffsicherheit.  Ich würde ja gern beim Sevice anrufen, der aber leider um diese Uhrzeit (22Uhr) nicht mehr zu erreichen ist – meinen zahlreichen Erfahrungen nach aber sehr gut ist  (wenn ich ihn dann mal erreiche).

Johan II.

In meiner Dissertation untersuche ich vergleichend die Absetzungen von insgesamt zehn Souveränen aus Schottland, England, Schweden und den Niederlanden.

Diese zehn Herrscher und ihre Absetzung werde ich nach und nach hier vorstellen. Da ich grade an den schwedischen Fallbeispielen forsche, beginne ich mit Johan II. Weiterlesen

Riksarkivet i Stockholm

Zurück von meinem Besuch in Stockholm, wo ich mich vor allem im Nationalarchiv und der Nationalbibliothek aufgehalten habe.

Vor meinem ersten Archivbesuch war dabei eine Menge zu tun, da Archive sich nicht so leicht erschließen lassen wie z.B. Bibliotheken.
Archive sammeln und bewahren ihre Dokumente üblicherweise nicht nach inhaltlichen Aspekten, sondern entsprechend der Provenienz, d.h. der Herkunft eines Schriftstückes. Ich musste mir vorher als genau überlegen, welche Quellen ich mir in dem Archiv erhoffe, wer diese verfasst hat (in meinen Fall z.B. der Riksdag und die königliche Kanzlei) und mit Hilfe der online zur Verfügung gestellten Informationen versuchen, diese in dem Archiv zu lokalisieren.
Zum Glück gab es nicht nur von Kollegen, sondern auch im Internet zahlreiche gute Hilfen für die Vorbereitung und Durchführung des Archivbesuchs. Empfehlen kann ich vor allem Adfontes, Einführung und umfassendes Training rund um die Archivarbeit. Erfahrungsberichte zu Archiven weltweit kann man auf Archives made easy finden, leider war Stockholm noch nicht dabei. Eine Übersicht, welche Archive es weltweit gibt, bietet die UNESCO hier.

Trotz aller Vorbereitungen war die Beratung vor Ort unumgänglich. Am besten, man kündigt sich schon einige Wochen vorher in dem Archiv mit dem Thema der Arbeit und dem Erkenntnisinteresse an den Quellen des Archivs, an.
Ebenfalls sehr wichtig ist, die Quellen möglichst genau einzugrenzen und genau zu wissen, was man sucht.
Von der jeweiligen Forschungssituation hängt auch ab, inwieweit andere Hilfsmittel zu Rate gezogen werden können. In meinem Fall hatte ich zwar Archivverzeichnisse (Findbücher) in Deutschland verfügbar, aber erst in Marburg in der Archivschule. Da war es für mich effektiver, diese Bücher erst im Archiv selbst zu nutzen. Ebenso war es für mich besonders produktiv, dass ein Archiv üblicherweise auch zahlreiche Forschungsliteratur zu den Beständen und Quelleneditionen im Lesesaal stehen hat.  Es gibt zwar Editionen schwedischer Quellen in Deutschland, jedoch sehr zerstreut und oft nur schwer über Fernleihe zu bekommen.
Bei dem ersten Archivbesuch ist es ratsam, sich zunächst eine Übersicht über die Bestände zu verschaffen, zu schauen, was und wie man reproduzieren kann und sich einige, kurze Notizen zu den Beständen zu machen (z.B. über Zustand, Lesbarkeit oder Umfang).  Zur eigentlichen Arbeit an den Quellen fehlt dann doch meistens die Zeit. Dies kann man dann ja auch mit eventuell digitalisierten Quellen zu Hause.

Zurück am heimischen Schreibtisch (bzw. am Uni-Schreibtisch), geht es dann an eine sorgfältige Nachbereitung des Archivs. Notizen abtippen, Quellen bearbeiten und abschätzen, ob und wie lange ein zweiter Aufenthalt nötig sein wird.

Geschichte und Öffentlichkeit?

Vor kurzem hörte ich einen Vortrag zu dem Verhältnis von Historischer Anthropologie und Kulturgeschichte, in dem u.a. versucht wurde, den Boom von populärer Geschichte (in Büchern, Filmen, Computerspielen, Stadtfesten, Reenactment, Reality Shows etc.), Aussagen von Naturwissenschaftlern, sie könnten jetzt Beweise für historische Fragen erbringen und damit Geschichte machen (z.B. das eine bestimmte Gruppe genetisch eng mit einer weit entfernten Gruppe verbunden ist, was auf Verwandtschaft bzw. Migrationsprozesse schließen lässt) und die Geschichtswissenschaft zusammenzubringen.

Weiterlesen

Verweise

An dieser Stelle möchte ich schnell auf einen sehr wichtigen Blogpost von Peter Kröner verweisen: es geht um eine Neuauflage der letztjährigen Diskussion um Zensursula; nur jetzt mit dem Versuch, sich gar nicht erst auf eine Diskussion einzulassen.

Inhaltlich nun gar nicht dazu passend, aber zufällig am gleichen Tag gepostet: ein sehr schöner Artikel von imgriff zu dem ewigen Problem von Nicht-Büro-Arbeitern, ob man lieber zu Hause oder in der Bibliothek arbeitet.
Ich persönlich ziehe ja die Bibliothek vor; trotz ausgedehnten Kaffeepausen mit Mit-Lesesaalnutzern (und ich habe da schon spannende Leute kennengelernt und tolle Gespräche geführt), schaffe ich deutlich mehr als zu Hause.

Monarchomachen

Die vielen einzelnen Geschichten, die für mich Geschichte ausmachen, erfordern es, sich einem Thema immer wieder neu anzunähern, es zu umkreisen und ihm Zeit und Raum zu geben, sich zu entwickeln.
Das bedeutet im konkreten Fall, dass ich mich in der Auseinandersetzung mit der Frage nach den forcierten Herrschaftsenden in unterschiedliche Bereiche einarbeite, mir dazu Wissen aneigne und dieses sich hoffentlich am Ende im Hinblick auf meine Fragestellug bewähren wird.

Bis ich dieses Wissen für die Diss nutzen kann, liegt es nutzlos in meinen Dateien und Gehirnzellen herum. Damit dies nicht so ist, stelle ich mein neu erworbenes Wissen doch lieber ins Netz, hier auf meinen Blog (und nicht bei Wikipedia, damit nicht Punkte, die für mich wichtig sind gelöscht werden und andere Punkte aufgenommen werden, die für mich ohne Belang sind). Weiterlesen

Mal was Grundsätzliches

Eine wichtige Aufgabe eines Historikers ist es, über seine eigene Arbeit zu reflektieren. Meistens geschieht dies ganz unbewussst, doch hier an dieser Stelle möchte ich versuchen, meine Reflektion offenzulegen.

Genauer möchte ich danach fragen, was der Historiker eigentlich so macht, wenn er Geschichte betreibt und damit auch wie und warum er an historische Themen herangeht?
In einem zweiten Schritt frage ich dann, was meine eigenen Vorstellungen von Geschichte und Vergangenheit sind und unter welchen Voraussetzungen/ Vor-Annahmen ich Geschichte betreibe?

Weiterlesen